Donnerstag, 23. November 2017

Buchempfehlung: "Alles über Heather" von Matthew Weiner

Ein kleines psychologisches Meisterwerk: 
Mark und Karen Breakstone leben in New York und haben eine Tochter - Heather. Während Mark an seiner Karriere arbeitet, dreht sich Karens Leben seit der Geburt ihrer Tochter nur noch um sie, dieses besondere Kind, das alle mit seiner Art in den Bann zieht.

"(Karen) erklärte Mark, sie wolle kein zweites Kind. Es wäre Heather gegenüber unfair. Tatsächlich hatte Karen schon im Augenblick der Geburt gewusst, dass sie Heather so lange wie irgend möglich ihre ungeteilte Aufmerksamkeit und Fürsorge schenken würde. Da die Kleine kein gewöhnliches Kind war, grübelte Karen auch nie, ob sie mit Heather möglicherweise nur ihr fehlendes Interesse an einer beruflichen Karriere oder ihre Abhängigkeit von Marks Erfolg rechtfertigen wollte. Hätte Karen eine solche Ausstrahlung und solch einen Zauber wie Heather besessen, wäre ihr Mutter vielleicht nicht wieder an die Uni gegangen."

Dieses innige Verhältnis zwischen Mutter und Tochter findet ein jähes Ende, als die Pubertät mit aller Macht zuschlägt. Karen fühlt sich betrogen und verlassen, dass ihre Tochter sich nunmehr besser mit ihrem Vater versteht, tut sein übriges. Und wäre das noch nicht genug, so erscheint plötzlich Bobby Klasky auf der Bühne, ein Arbeiter, schon früh straffällig geworden, mit einem ganz besonderen Interesse an ihrem wertvollsten Besitz. 
Und das Unheil nimmt seinen Lauf ...

"Auf seinem hohen Aussichtsposten nahm Bobby an einem späten Nachmittag zu ersten Mal den Hauch eines Duftes wahr, bei dem ihm der Kaffee aus der Hand fiel und er tief einatmen musste. Nase und Lungen füllten sich mit einer Mixtur aus Zigaretten, Seife und Blut, die wie in einer Explosion von einem hochgewachsenen, schlanken Mädchen aufstieg, das in sein Handy sprach; Rauch umkringelte das schulterlange hellbraune Haar, als ob es in Flammen stünde. Für jemand anderen wäre in diesem Moment vielleicht die Zeit stehen geblieben, aber Bobby besaß keine Vorstellung von Zeit, deshalb waren die Dinge für ihn entweder interessant oder langweilig, und wenn es um Menschen ging, bedrohlich oder erregend."

Brilliant geschrieben, fast ohne Dialoge beschreibt Weiner (der übrigens die Drehbücher zu "Mad Men" und "Die Sopranos" geschrieben hat) wie das Böse dieses Idyll bedroht und die Menschen zum Äußersten treibt. Die Übersetzung von Bernhard Robben tut ihr übriges, dass man dieses schmale Buch von nur knapp 130 Seiten mit einem leisen Grauen liest bis zum bitteren Ende.

LG von Caro

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Kommentare:

  1. Huhu Caro,
    ich fand das Buch auch sehr genial gemacht. Ich hoffe, dass wir noch mehr in der Form von Matthew Weiner zu lesen bekommen werden.
    Liebe Grüße, Petra

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  2. Das klingt ja wirklich sehr spannend. Muss ich lesen. Danke für den Tipp!

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  3. Ein leises Grauen? Hmmm.... dieser Kommentar macht mich neugierig auf das Buch.

    Lieben Gruß, nossy

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